Aktion für Priesterkinder anlässlich zweier Nina Hagen Konzerte

Nachdem Nina Hagen unserer Initiative“Menschenrechte für Priesterkinder“, durch ihre Unterschrift auf der Unterschriftenliste der damaligen Website, schon seit  Oktober 2010 ihre Unterstützung  ausgedrückt hatte, hatten wir schon lange gehofft, auf ihr Angebot einer gemeinsamen Aktion für Priesterkinder eingehen zu können.  Am 21. und 22.06. 2011 war es  soweit, bei Nina’s Konzerten in einer ehemaligen katholischen und einer aktuell protestantischen Kirche in Aachen bzw. Eschweiler.
Die Abende hatten alles zu bieten, was der Einsatz für die Rechte von Priesterkindern eben mit sich bringt, von schubsenden und schimpfenden Nonnen, über drohende „Securities“ und hyper-aufgeregte Damen der EUREGIO Aachen, bis zu einem wirklichen Happy-End, bei dem uns Nina Hagen und ihr Manager in der ihnen von der Stadt Aachen gestellten Limousine von Eschweiler mit zurück nach Aachen nahmen. Soviel ‚action‘ verdiente zwei eigenen Berichte, die wir untenstehend  noch einmal veröffentlichen.

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Bericht vom Nina Hagen -Konzert in der ehemaligen katholischen Kirche St.Paul in Aachen, 21.06.2011…..

Von Brüssel nach Deutschland reisend, war uns vor einigen Wochen bei einem Stopp in Aachen, im dortigen „Kultur-Anzeiger“, die Ankündigung zweier Nina-Hagen Konzerte aufgefallen. Hagen hat sich vor zwei Jahren taufen lassen, evangelisch -reformiert, und würde in zwei Kirchen je ein „Jesus-Gospel“ Konzert geben. Wir dachten dass dies die Gelegenheit, durchaus auch der passende Rahmen sein könnte, auf Nina’s Angebot einer gemeinsamen Akltion zurückzukommen, und fragten sie ob wir dabei auf unsere Initiative hinweisen, und um Spenden werben dürften. Sie bejahte dies in zwei persönlichen Mails, lud uns ausserdem zu den Konzerten selbst ein, und versprach uns dabei auch ein „Jesus-Gospel“ zu widmen.

Nach letzter Rücksprache mit Klaus Ascheneller, Hagen’s Manager, betrete ich, mit Info-Material ausgerüstet, 90 min vor Konzertbeginn als Erster von uns die Kirche: Ich treffe einen Mitarbeiter Nina Hagen’s , der mich, noch wohlgemut, über zwei weitere Stationen zu einer anderen Nina, mit dahinter folgendem Doppelnamen, führt, der von der EUREGIO-Aachen gestellten “ Veranstaltungs-Managerin“. Diese, sofort verbissen-feindselig, faucht mich an: „Davon weiss ich nichts, hier können Sie nicht verteilen“. Ich erkläre kurz den Inhalt unserer Initiative und Nina Hagen’s persönliche Einladung, was sie aber eher noch aggresiver macht : „Das ist egal, ich und mein Chef(von der Stadt Aachen) haben hier das Hausrecht (das sollten an beiden Abenden noch viele von sich behaupten), auch Nina Hagen ist hier nur Gast, wenn überhaupt dann vor der Kirche „. Erst später kann ich völlig ermessen, welche Angst die Frau davor gehabt haben muss, in einer katholischen Stadt wie Aachen, und einer Kirche die zwar nun der Stadt gehört, aber von Nonnen, die den Schlüssel haben, verwaltet wird, dafür verantwortlich gemacht zu werden, dass Flyer zum katholischen Tabuthema „Priesterkinder“ verteilt werden. Sie knallt noch die Tür hinter sich zu, und stellt sich davor, um zu verhindern dass ich Klaus Ascheneller, der wohl schon anwesend ist, direkt ansprechen kann.
Wir machen die Not zur Tugend, ich beginne vor dem Tor, knapp ausserhalb des Kirchengeländes, unsere Flyer zu verteilen, und uns zu  erklären : “ Wir werden von Nina Hagen unterstützt, sie widmet uns heute ein Jesus Gospel….ein wirkliches Tabu-Thema, gerade in einer katholischen Stadt wie Aachen sehr wichtig“ Die Zettel gehen sehr gut weg, fast keiner lehnt sie ab.
Dann plötzlich steht die Nonne vor mir, eine andere Dame, ohne Habit, aber ansosnsten auch in schwarz, hinter ihr : „Hören Sie sofort auf diese Zettel zu verteilen, und hauen Sie ab hier, sonst rufe ich die Polizei“. Sie versucht mich zu schubsen, und mir die Flyer wegzureissen, fixiert mich mit -ich muss es leider sagen- sehr katholisch hasserfülltem Blick. Auch die Frau hinter ihr feindet mich an, schreit : “ Die Nonnen haben hier das Hausrecht “ (Ja wer denn nun ?). Vielleicht entzerren nur zwei Handy-Anrufe, die ich in diesen Momenten bekomme, und kurz wegdrücken muss, die Lage soweit, dass der totale Eklat ausbleibt. „Wenn Sie sich mit Nina Hagen schmücken, müssen Sie auch ihre  Meinungen akzeptieren“ sage ich und verweise nochmal auf meine persönliche Einladung durch die Künstlerin. Dagegen kann sie nicht wirklich etwas einwenden, verbittert lässt die Nonne erstmal ab: Später wird sie mich in der Kirche noch einmal mit Hass fixieren, und „Lügner, Lügner, Lügner“ nennen, ausserdem versucht sie wohl auch noch Ascheneller und andere mit der Behauptung gegen mich aufzubringen, ich hätte während des Konzertes in der Kirche verteilt.
Während all dem, hatte meine Mutter, nachdem klar war dass uns diese Kirche keinen „Opferstock“ für die „Kollekte“ zugunsten unserer Initiative leihen würde, im nahen Restaurant  vom Ober einen Brotkorb besorgt, der dann nach dem Konzet als  Sammelkorb zum Einsatz kommt. Schon von kurz vor Ende des Konzerts an steht sie dann am Tor, erklärt weiteres zum Thema, und sammelt für die Arbeit unserer Initiative. Viele Leute hören zu, viele spenden : „Es ist höchste Zeit dass dieses Thema aufgegriffen wird“ ,“Da geschieht unheimlich viel Unrecht“ : Wieder einmal ist die Diskrepanz zwischen Staat (hier Stadt und EUREGIO), die der Kirche um jeden Preis helfen wollen Unrecht zu vertuschen, und der Bevölkerung, die sehr wohl versteht und Veränderung will, riesengross.
An diesem ersten Abend treffen wir Nina Hagen nicht mehr persönlich, obwohl wir am Anfang von einem Mitarbeiter mit „backstage-Karten“ versorgt wurden, schreit die EUREGIO-Dame den Türsteher, auf dessen Frage ob er mich reinlassen darf, an : „Nein, den nicht, der kommt hier nicht rein“ . Wir sehen Nina Hagen deshalb nur von weiter weg Interviews geben und Autogramme schreiben, sind aber dankbar für die Möglichkeit des Verteilens, die Reaktion der Leute, und die gesammelten Spenden.

….und …und Bericht vom Nina Hagen -Konzert in der Dreieinigkeitskirche in Eschweiler , am 22.06. 2011

 …und Bericht vom Nina Hagen -Konzert in der Dreieinigkeitskirche in Eschweiler , am 22.06. 2011

Am frühen Mittwoch-Nachmittag telefoniere ich mit Klaus Ascheneller : „Es tut mir leid, dass es all diese Hektik gab, unser Thema ruft bei einigen eben leider eine starke Abwehr hervor“. Ich stelle einige Fakten richtig (tatsächlich hatten die Nonne und/oder die EUREGIO-Dame ihm gegenüber wohl behauptet , dass wir während des Konzerts in der Kirche verteilt hätten). Ascheneller bestätigt mir die erneute Einladung auch zum zweiten Abend , gegenüber meiner Hoffnung:“ Heute ist es ja eine protsestantische Kirche, vielleicht wird es da unkontroverser“ gibt er aber, sehr richtig, zu bedenken :  „Der Veranstalter, die EUREGIO Aachen, ist aber derselbe“.
Da wir erst in den hinteren Teil einer Regionalbahn einsteigen, deren vorderen Teil wir hätten nehmen sollen, kommen wir recht spät, im Lichte der folgenden Ereignisse ist dies Glück, da Hagen selbst und Ascheneller deshalb nur kurz nach uns eintreffen.Ich beginne die Flyer zu verteilen, erneut mit Erfolg, meine Mutter möchte schon in die Kirche, heute etwas mehr vom Konzert selbst mitbekommen. Doch evangelische Pfarrer lassen sich auch nicht lumpen !  Da keine Nonnen zur Verfügung stehen, engagieren sie kurzerhand den örtlichen Provinz-Security, wie aus der Karikatur : bullig, starke wenn auch durchaus teigige Arme, Wallros-Schnurrbart) „Sie kommen hier nicht rein“ baut er sich bedrohlich vor meiner Mutter auf, „Anweisung von Herrn Pastor“. Die Dame der EUREGIO erscheint wieder, triuphierend lächelnd, sie hat das Feld hier wohl schon vorher kräftig bearbeitet : „Das Hausrecht hat hier der Pastor (ist das heute wenigstens geklärt), er steht dahinten: Dieser ist besonders charmant, ähnelt äusserlich verblüffend seinem Security, und sagt  : „Sie verschwinden auf die andere Seite des Platzes, bis zur Moltke-Strasse(ca.  50 m weg). Und auch dieser Flyer wird hier nicht verteilt (dass er Spenden lieber selbst einsammeln will, versteht sich von selbst): Der Security tritt nun auch auf mich zu, „schiebt“ mich einige Meter weg, tönt gegenüber einem Nachfrager :“…angebliche Einladung von Nina Hagen persönlich..etc“
Wir stehen einen Moment etwas ratlos rum, ich erreiche Ascheneller auf seinem Handy nicht, aber dann geht alles sehr schnell : Ich erblicke ihn auf der Treppe zum Gemeindehaus rechts neben der Kirche, eile auf ihn zu, beschattet vom drohenden Security:  „Es geht leider nicht ohne Kontroversen, Herr  Ascheneller, heute müssen Sie sogar dafür sorgen dass wir überhaupt reinkommen“. Er ist etwas schüchtern, und sagt dann nur noch-„Ja, moment mal, da kommt Nina jetzt auch selbst“-und gibt die Treppe für seinen Star  frei: Das Gesamtkunstwerk Nina Hagen schwebt die Treppe herunter, ich möchte ansetzen zu erklären, aber das ist nicht nötig : ‚Davidchen'(So hatte mich vor ca. 33 Jahren mein Grossvater genannt, seitdem niemand mehr), ‚das war ja was gestern Abend (sie scheint gut informiert). Aber heute wird alles klappen, ich widme Euch ein Gospel, und du kannst in Ruhe deine „Traktate“ verteilen.  Der da (deutet auf einen Mitarbeiter) bringt Euch jetzt rein‘.  Die ganze Szene ist filmreif, der Security wird sehr schnell sehr klein, und bleibt den Rest des Abend völlig im Hintergrund, der Pastor selbst tritt gar nicht mehr in Erscheinung. Wer mich als ziemlich formellen, eher konservativ gekleideten Menschen kennt, wird sich aber auch vorstellen können, dass allein der Unterschied zwischen Nina Hagen und mir, und dazu die Bezeichnung „Davidchen“, sehr lustig ist. Das Bild wird von einigen jugendlichen Fans abgerundet, die ihr Glück nicht fassen können, durch uns soviel Zeit für Fotos von Nina Hagen aus naher Distanz zu haben.
Auch vom Chauffeur Hagens geleitet (sehr autoritär :“Keine Bange, Sie gehen jetzt hier rein“) kommen wir in die Kirche , und können einem wirklich sehr guten(da die Kirche kleiner ist als am Vorabend auch sehr intensiven) Konzert beiwohnen. Hagen singt einige Gospel(„Down by the riverside“) und Bürgerrrechts-Klassiker(„We shall overcome“), ein Wolf-Biermann Lied („Soldat, Soldat in Uniform“), und, tatsächlich auch in protestantischer Kirche, ein „Ave Maria“. Auch unserer Initaitive widmet sie ein Lied, ich kannte es nicht, aber das „Lord help me walk another mile“ ist schon sehr passend.
Nach dem Konzert gibt es noch einmal etwas Unsicherheit, ich möchte mich nochmal bedanken, wir fürchten aber den letzten Zug zu verpassen, da örtliche VIPs und viele Fans mit Fotos und Autogrammen versorgt werden wollen. Spätestens aber nachdem sich heraustellt, dass Klaus Ascheneller aus dem evangelischen Teil Mittelfrankens stammt, in dem auch meine Mutter geboren ist, und auch ich einen Teil meiner Kindheit verbracht habe (er kann nicht aus ‚ Bayern‘- wie auf seiner Website angegegben- sein, hatte ich mir bald gedacht, so überrascht er von den Emotionen zum Thema ‚Priesterkinder‘ schien ) bahnt sich ein Weg zum Happy-End. “ Ich hab‘ das jetzt mit Nina geklärt, wir nehmen Euch mit zurück nach Aachen“  sagt er dann, wenig später steigen wir vor den Augen der EUREGIO-Dame(ob sie aus dem Verlauf etwas lernen wird ?) in den Nina Hagen von der Stadt Aachen gestellten Mercedes. Im Auto bleibt Hagen, auf meine Frage wie sie ursprünglich auf unsere Website gestossen ist, ganz fest : „Da wird mich wohl Jesus geführt haben“.
In Aachen verabschieden wir uns in grosser Dankbarkeit für ihre wirklich ehrliche und von Herzen kommende Unterstützung, bei der sie bleiben wird, obwohl sie, wie ich noch anmerke    „nun ein bisschen gesehen hat , was einem da entgegenschlagen kann“.

Menschenrechte für Priesterkinder

Sehr geehrte Damen und Herren,

Gut zwei Jahre, nachdem unsere vielbesuchte und vielzitierte Website „Menschenrechte für Priesterkinder“  vom Netz ging, besteht seit heute nun erstmal wieder eine Blogadresse, auf der wir das Meiste des damals verwendeten Materials, und einiges Neue und Unveröffentlichte, nach und nach einstellen werden. Wir werden Manches aktualisieren, und den Blog dann auch in eine klassische Website überführen.

Wir danken noch einmal denjenigen die uns bei dem Anliegen erneut online zu gehen auf vielfältige Art unterstützt haben, und hoffen den Blog und danach die neue Website mit Ihnen zusammen bald wieder zu der Anlaufstelle für Informationen zum Thema Priesterkinder machen zu können, die die alte Website 2009-2012 gewesen ist.

 Die Aussage der Startseite gilt nach wie vor:

Es gibt allein in Deutschland mehr als 3.000 Menschen, deren Vater zum Zeitpunkt ihrer Geburt katholischer Priester oder Ordensmann war oder es noch immer ist. Ihnen wurden und werden fundamentale Menschen- und Bürgerrechte vorenthalten.

Die Gesetze sind eindeutig: Jeder und jede hat die gleichen Rechte, unabhängig vom Status der Eltern. Das gilt für Unterhalt und Erbe, aber auch für den Kontakt mit dem eigenen Vater.

Durch die Vorgehensweisen der katholischen Kirche, die vom Staat bisher nicht ausreichend untersucht, sanktioniert und dadurch verhindert werden, ist eine Gruppe entstanden, die es in der modernen Gesellschaft eigentlich nicht geben kann: Bürger auf die wegen ihrer Geburt die geltenden Gesetze nicht angewandt werden können.

David Weber,  „Menschenrechte für Priesterkinder“

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